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Massive Probleme beim Umgang

Ein Artikel, der heute in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen ist, beschäftigt sich mit der Frage, welche Probleme bei der Ausübung des Umgangsrechts („Besuchsrechts“) auftreten können. Hier ist der Link:  FAZ: Kampf ums Kind. Lesenswert.

Es werden viele der Probleme angesprochen, die auftreten, weil  – meistens ein Elternteil – seine Verletzungen wegen der Trennung über die Kinder an dem ehemaligen Partner auslässt.

Ich kann nur betonen, aus meiner eigenen Erfahrung als Fachanwalt für Familienrecht, dass man eine  derartige Möglichkeit schon vor der Trennung berücksichtigen  muss. Nur wenn man bereits vor der Trennung oder unmittelbar danach die richtigen Maßnahmen ergreift, kann man derartige  Grausamkeiten für die Kinder verhindern.

Der Elternteil, der den Umgang verhindert, sieht sich immer komplett im Recht. Argumente prallen an ihm ab, wie, man schade doch dem Kind, wenn es keinen Kontakt zum anderen Elternteil hat. Nein – man tut ihm Gutes, denn ein Kontakt mit diesem fürchterlichen Menschen kann nur schädlich für das Kind sein!

Ich rate folgendes:

1. Man sollte so schnell wie möglich ein gerichtliches Verfahren einleiten, wenn man merkt, dass die Entwicklung negativ ist. Ohne den Mitarbeitern des Jugendamtes etwas zu wollen, aber die guten Gespräche führen zu nichts.  Am Ende landet man doch vor dem Gericht, es ist aber wesentliche Zeit vergangen, die dem anderen die Gelegenheit gegeben hat, den Kontakt zu verhindern und das Kind zu beeinflussen.

Das Jugendamt hatte einfach  weder die Autorität noch die Möglichkeiten, einen unwilligen Elternteil zu etwas zu zwingen. Dies kann nur das Familiengericht. Nur wenn der Familienrichter am Anfang dieser Entwicklung mit seiner Autorität versucht, den anderen Elternteil zu stoppen, keine eine Verfestigung der gefährlichen Situation verhindert werden.

2.  Ich habe in einem Fall erlebt, dass jemand seine Nachricht, dass er nunmehr zu seiner Freundin gezogen sei, auf dem Anrufbeantworter hinterließ und die Ehefrau davon erfuhr, als sie mit den Kindern aus dem Urlaub kam. Falsch, ganz falsch! - Schlimmer kann man es gar nicht anfangen.  

Das Ergebnis war ein jahrelanger Rechtsstreit und der Verlust des Kontaktes mit den Kindern.  Ich meine, dass fast immer am Beginn einer derartigen Auseinandersetzung eine derartig massive Verletzung steht. Die Trennung kommt für viele Partner unerwartet. Sie kann das Scheitern einer Lebensperspektive bedeuten. Das alleine schon schlimm genug. Kommt dann eine solche massive Herabsetzung des anderen dazu, kann das nur üble Folgen haben.

3. Wenn eine derartige Situation entstanden ist, machen viele den Fehler, gleiches mit gleichem zu vergelten. Das liegt nahe und ist menschlich verständlich. Es führt natürlich zu einer rapiden Eskalation des Konflikts. Ich kann nur die Methode empfehlen, die in der Mediation gelernt habe: den Verstoß benennen, klar zu sagen, dass das Verhalten des anderen nicht richtig ist, aber nicht dadurch sanktionieren, dass man  zurückschlägt.

 Nur so kann man erreichen, dass der von seiner Palme herunterkommt und die Situation langsam deeskaliert.

 4. Man sollte sich über das mögliche Ende immer im Klaren sein: es kommt die Situation, dass gar nichts mehr geht. Es kommt dann häufig zum endgültigen Triumph des  durchgeknallten Elternteils: dieser bekommt die alleinige elterliche Sorge  zugesprochen, weil die Rechtsprechung konsequent  sagt, das, wenn nichts mehr geht, derjenige Elternteil, der die elterliche Sorge tatsächlich ausübt, weil das Kind bei ihm ist, dann auch die gesamte elterliche Sorge bekommt.

 

 Im Übrigen sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es sich um massive Fälle von Kindesmisshandlung handelt.

 

 

E-Mail an mich, wenn Personen einen Kommentar hinterlassen –

Fachanwalt für Familienrecht Kurt Schulte Herbrüggen

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